Vergiftungen
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Giftig: Medikamente
Achtung!
Achtung!
Achtung!
Die Zahl der manifesten Vergiftungen ...
... im Kindesalter liegt je nach Untersuchung bei 0,5 - 1 Prozent der Gesamtunfälle. Tödliche Vergiftungen schwanken zwischen 63 im Jahre 1991 und 11 im Jahre 1992. Der altersbezogene Häufigkeitsspiegel liegt zwischen dem 1. und 4. Lebensjahr, der sog. oralen Phase, wenn Kinder auf Entdeckungsreise gehen.

Die beteiligten Substanzen schlüsseln sich bisher wie folgt auf: Arzneimittel 30 -40 Prozent, Haushaltsmittel 30 - 35 Prozent, Pflanzen 10 Prozent. In letzter Zeit überwogen allerdings bei den Vergiftungsnachfragen die sog. Publikums-/Haushaltsmittel, wobei wiederum die tensidhaltigen Reinigungsmittel und die Kosmetika im Vordergrund standen. Ein besonderer Stellenwert kommt in letzter Zeit auch Petroleum und Lampenöl zu. Diese führen zu Schleimhautreizungen, Erbrechen und Aspirationsgefahr, d.h . Gefahr von Eindringen von Fremdkörpern in die Luftröhre. Dadurch ist es in den letzten Jahren sowohl zu Todes- als auch Beatmungsfällen gekommen. Neben Verätzungen durch alkalische Rohrreiniger fallen bei den sauren Entkalkern Verletzungen durch ökologisch empfohlene 25 prozentige Essigessenz auf.

Als sehr giftige Pflanzen gelten Eisenhut, Schillingsarten, Bilsenkraut, Engelstrompete, Herbstzeitlose und Seidelbast. Bei Goldregen sind Schote und Samen giftig, bei der Eibe die Nadeln und der zerbissene Samen, aber nicht das rote Fruchtfleisch. Hautreizungen können z.B. durch Wiesenbärenklau, Philodendron, Dieffenbachia und Zimmerkalla hervorgerufen werden.

80 Prozent aller Vergiftungen erfolgen zu Hause. Die Landesberatungsstelle für Vergiftungserscheinungen in Berlin empfiehlt deshalb zur Prävention das Zuhause giftsicher zu machen. Hierfür sind folgende Maßnahmen nützlich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Xi = reizend, Xn = gesundheitsschädlich.
T = giftig, T+ = sehr giftig
C = ätzend
Präventivmaßnahmen
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Allgemeine Maßregeln:
Sagen Sie Ihrem Kinde nie, daß Medizin wie Bonbons schmeckt.
Medikamente erhält nur derjenige, dem sie auch verschrieben worden sind.
Angebrochene Packungen von Medikamenten sind nach dem letzten Gebrauch mit einem Filzstift zu markieren, damit zu erkennen ist, wieviel noch in der Packung ist.
Medikamente sollten nur in einem verschlossenen Medikamentenschrank aufbewahrt werden.
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In der Küche:
Alle Haushaltsreiniger in verschlossenen Schränken und vor allen Dingen in den Originalbehältern aufbewahren. Dies ist wichtig, um im Notfall sofort den genauen Inhalt bestimmen zu können.
Besonders gefährlich sind Reiniger für Geschirrspülmaschinen, Rohrreiniger, Backofenspray, Kalklöser, Essigessenz, Petroleum und Duftpetroleum.
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Im Badezimmer:
Medikamente, Puder, Rasier- und Mundwasser sowie Parfüms sind für Kinder unerreichbar aufzubewahren.
WC- und Badreiniger gehören ebenso in verschlossene Schränke.
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Im Schlafzimmer:
Keine Medikamente in der Nachttischschublade aufbewahren.
Nagellackentferner, ätherische Duftöle und Antibabypillen sind für Kinder unzugänglich aufzubewahren.
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Im Abstellraum und in der Garage:
Auch hier sind nur Originalbehälter zu verwenden und im Regal in entsprechend kindersicherer Höhe aufzubewahren.
Insektensprays, Motoröl, Nitroverdünner, Farben/Lacke und Unkrautvernichtungsmittel sind stets in verschlossenen Schränken aufzubewahren.
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Im Wohnzimmer:
Alkoholische Getränke und Zigaretten sind außer Reichweite von Kindern aufzubewahren.
Keine Zigarettenkippen und Tabak liegen lassen!
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Im Garten und auf dem Balkon:
Im Garten sollte der Bestand von giftigen Pflanzen überprüft werden.
Auf Behälter mit Duftpetroleum und Lampenöl sollte verzichtet werden.
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Im Kinderzimmer:
Keine Kosmetika, Haushaltsmittel, Medikamente, Babypuderdosen und Knopfbatterien im Kinderzimmer stehen lassen.
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Giftig: Eisenhut
Giftig: Tollkirsche
Wie verhalte ich mich im Falle einer Vergiftung?

Folgendes Vorgehen hat sich bewährt:

Neben jedem Telefon sollte die Nummer einer Vegiftungsnotrufzentrale liegen, der man im Vergiftungsfalle die Fragen Wer, Womit, Wann und Wo beantworten sollte. (Aus diesem Grunde ist es auch wichtig, daß Originalbehälter verwendet werden, da dann sofort der genaue Inhalt benannt werden kann.)

Hinsichtlich der Sofortmaßnahmen gilt nach wie vor als oberstes Gebot die Giftentfernung. Dabei ist folgendes zu beachten:

Das Kind sollte reichlich Tee oder Fruchtsaft trinken. Auf keinen Fall sollte man ihm Milch oder Kochsalz geben.

Das Kind so schnell wie möglich zum Erbrechen bringen. Dies gilt nicht bei Benzin, ätzenden Substanzen und Schaumbildnern, sowie bei Benommenheit des Kindes.

Bei Augen- und Hautverätzungen sofort unter fließendem Wasser auswaschen.

Bei einer Mund-zu-Mund-Beatmung nach einer Gasvergiftung muß darauf geachtet werden, daß die Ausatemluft des Patienten nicht selbst eingeatmet wird.
Giftinformationszentralen
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Beantworte folgende Fragen:

Wer?
Alter, Gewicht, Geschlecht

Was?
Möglichst Originalverpackung

Wieviel?
Originalinhalt, Verlust

Wann?
Zeitpunkt der Entnahme

Wie?
oral, cutan, rektal

Wo?
Ort, Sicherstellung der Substanz
Berlin
Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen und Embryonaltoxikologie
Oranienburger Str. 285
Tel.: 030-19240
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Bonn
Informationszentrale gegen Vergiftungen,
Zentrum für Kinderheilkunde
Adenauer Allee 119
0228-28733211 oder 0228-19240
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Freiburg
Universitätskinderklinik,
Informationszentrale für Vergiftungen
Mathildenstraße 1
0761-19240
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Göttingen
Giftinformationszentrum-Nord,
Beratung und Information
Robert-Koch-Str. 40
0551-383180
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München
Giftnotruf München
Toxikologische Abteilung der II. Med. Klinik,
Klinikum re. d. Isar
Ismaninger Straße 22
089-19240
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