Suchtprävention
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Sucht- bzw. Abhängigkeitshaltungen . . .

hängen eng mit den Lebensumständen und Gewohnheiten des einzelnen zusammen. Die Weichen für eine mögliche spätere Sucht werden schon im Kindesalter gestellt. Um wirksam vorzubeugen, müssen Eltern und Erzieher Entstehungsbedingungen, Ursachen und Auswirkungen süchtigen Verhaltens kennen sowie konkrete Präventionsmaßnahmen anwenden können. Ziel muß es sein, das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen zu stärken und die Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit zu fördern. Denn aus einer selbstsicheren Haltung heraus sollen sie später standhaft ihre Ablehnung zu Suchtmitteln darlegen können.
BZgA: Kinder stark machen
Was ist eine Sucht?

Sucht ist ein zwanghaftes Verlangen nach einem bestimmten Erlebnis-, Gefühls-oder Bewußtseinszustand, den der Süchtige nur mittels eines Stoffes oder einer Verhaltensweise erreichen kann. Sucht ist ferner der zwanghafte Drang danach, bestimmte Lustgefühle herbeizuführen und Unlustgefühle zu vermeiden. Außerdem spricht man dann von Sucht, wenn die Kontrolle über den Stoff oder die Verhaltensweise immer weiter herabgesetzt wird, es zum völligen Verlust der Selbstkontrolle kommt und das Suchtmittel trotz schwerer negativer körperlicher, seelischer und sozialer Konsequenzen weiter benutzt wird. Nach einer längeren Phase der Gewöhnung wird der Süchtige von den Stoffen oder süchtigen Verhaltensweisen so beherrscht, dass sie zu seinem Lebensinhalt werden und er sich aus eigener Kraft nicht mehr aus diesem Teufelskreis befreien kann. Es kommt zur körperlichen (physischen) und /oder seelischen (psychischen) Abhängigkeit.

Süchte und süchtiges Verhalten betreffen inzwischen alle sozialen Schichten. Jede Familie kann mit diesem Problem konfrontiert werden. Forschungen haben ergeben, dass sich Suchtpersönlichkeiten bereits in der frühen Kindheit abzeichnen. In dieser Zeit entwickeln sich die Grundmuster der individuellen Persönlichkeit. Alle Erfahrungen, die ein Kind in dieser Zeit macht, alle Lernprozesse, die es durchlebt, prägen seine Persönlichkeit und damit auch seine Neigung zu späterem Suchtverhalten. Langzeitstudien haben ergeben, dass seelisch ausgeglichene, selbstsichere und konfliktfähige Kinder bessere Chancen haben, später nicht süchtig zu werden. Die Ursachen für das Suchtverhalten von Kindern und Jugendlichen können vielfältig sein. Jede Suchtentwicklung hat ihre eigenen Hintergründe. Man spricht heute von einem 'multifunktionalen Ursachenmodell', das von den Eckpfeilern Umwelt-Mensch-Suchtmittel getragen wird. Bei der Betrachtung dieses Suchtdreieckes wird deutlich, dass die Entstehung der Sucht nicht allein auf die Familiensituation, die aktuelle Verfügbarkeit von Suchtmitteln oder die momentane psychische Situation des Betroffenen zurückzuführen ist. Sucht kann dann entstehen,wenn die drei Einflußgrössen Mensch-Umwelt-Suchtmittel langfristig zusammenwirken.
Das Suchtdreieck.
Möglichkeiten der Suchtprävention im Elternhaus

Suchtvorbeugung muß einsetzen, bevor das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. In der Broschüre der Aktion Sorgenkind 'Was tun gegen Sucht?' werden 7 Regeln zur Suchtprävention empfohlen. Ein Kind braucht demzufolge seelische Sicherheit, Anerkennung und Bestätigung, Freiräume und Beständigkeit, realistische Vorbilder, Bewegung und gesunde Ernährung, Freunde und eine verständnisvolle Umgebung sowie Träume und Lebensziele. Ziel der Suchtvorbeugung ist die gesunde Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Dazu gehört die Förderung des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens und der Konfliktfähigkeit. Die Prävention muß schon frühzeitig einsetzen. Nicht die Droge steht im Mittelpunkt der Bemühungen, sondern das Kind und seine Bedürfnisse. Sucht ist eine Krankheit, die in jeder Familie auftreten kann, unabhängig von Alter, Beruf, gesellschaftlicher Stellung oder Ansehen.
Eltern, Erzieher, Lehrer, Freunde und sicher auch wir als Kinderärzte tragen alle gemeinsam die Verantwortung für Wohlergehen, Gesundheit und Lebensfreude unserer Kinder.

Anzeichen für eine Sucht

Immer wieder stellen Eltern die Frage: Gibt es Anzeichen dafür, wenn mein Kind Drogen nimmt bzw. süchtig ist? Tatsächlich gibt es solche Verhaltensmerkmale und -auffälligkeiten, doch hängen sie sehr stark von der Art der Sucht und der Einzelperson ab.
Ein plötzlicher Wechsel des Freundeskreises, der Rückzug von gewohnten Aktivitäten, Freizeitbeschäftigungen und Hobbys, schulischer Leistungsdruck, ständige Geldnot, auffällige Wesensveränderungen, Passivität, Interessenlosig- und Gleichgültigkeit, eine auffällige Vernachlässigung des äußeren Erscheinungsbildes sowie eine auffällige Verschlechterung des Gesundheitszustandes können Anzeichen für einen Sucht sein.
Abhängigkeit: Legale Drogen



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Substanz . Wirkungen . Risiken .



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Alkohol
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gehobene Stimmung, Enthemmung, nachlassende Reaktionsfähigkeit
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Schädigung der inneren Organe und des Nervensystems, Persönlichkeitsveränderungen
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Tabak/Nikotin

Reduzierung des Hungergefühls, Beruhigung, Anregung

Schädigung der Atmungsorgane, Lungen-, Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs, Gefäßverengung, Herzinfarkt, Schlaganfall
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Medikamente
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Beruhigung bzw. Leistungs- und Stimmungssteigerung, Lösung von Spannungen
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schwerwiegende Persönlichkeitsveränderungen, Halluzinationen, Depressionen, Organschäden
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Schnüffelstoffe

Steigerung der Sinneswahrnehmung, Rausch nach dem Inhalieren, danach Übelkeit, Erbrechen

Bewußtseinsstörungen, Krämpfe, Lähmungen, Nerven- und Organschäden
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Abhängigkeit: Illegale Drogen



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Substanz . Wirkungen . Risiken .



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Cannabisprodukte
Haschisch,
Haschischöl
Marihuana
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Erregungszustände, Veränderung der Sinneswahrnehmung, vorübergehender Verlust des Zeit- und Raumempfindens
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auf Dauer: Depressionen, Angstzustände, Halluzinationen, Apathie, Motivationsverlust
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LSD

intensive und veränderte Sinneswahrnehmung, ekstatische Rauschzustände

Panik- und Angstreaktionen, Fehlhandlungen mit evtl. tödlichem Ausgang
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Kokain/Crack
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Stimmungssteigerung, sexuelle Enthemmung, Hebung des Selbstwertgefühles
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bei Dauerkonsum: Depressionen, Halluzinationen, Angstzustände, Persönlichkeitsveränderungen
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Heroin

Betäubung, Beruhigung, Hochgefühl, Stimmungssteigerung

Entzugserscheinungen, Persönlichkeitsveränderungen bis hin zum Persönlichkeitsverfall, Infektionen (Hepatitis, HIV), bei Überdosis auch Todesfolge
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Amphetamine/
Speed
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euphorische Gefühle, Leistungssteigerung, kein Empfinden von Hunger, körperlichen Belastungen
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langanhaltende Trips mit Wahnzuständen, nicht kalkulierbare Nebenwirkungen

Ecstasy

Leistungssteigerung, kein Empfinden von Müdigkeit, Durst, Erschöpfung

Veränderung der seelischen Befindlichkeit, Desinteresse, Antriebslosigkeit, nicht kalkulierbare Nebenwirkungen
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Ansprechpartner, Beratung und Unterstützung in Suchtfragen
Kreisjugendamt Paderborn
Aldegrevestraße 10-14
Tel.: 05251-308-519

Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren e.V.(DHS)
Westenwall 4
59065 Hamm
Tel.: 02381-90150

Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Schöneberger Str. 15
10963 Berlin
Tel.: 030-214809-0

Verein für Suchtprävention und Therapie mit Drogenabhängigen e.V.
Cuvrystr. 1
10997 Berlin
Tel.: 030-698140-0
Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Ostmerheimer Straße 220
51109 Köln
Tel.: 0221-89920

Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne und Töchter e.V. (BVEK)
Postfach 201423
48095 Münster
Tel.: 0251-14207-33

Deutscher Caritasverband e.V.
Karlstraße 40
79104 Freiburg
Tel.: 0761-2000