Impfungen im Kindesalter
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Seit es Impfungen gibt,
wird ständig über deren Nutzen und Schaden diskutiert. Das liegt in der Natur der Sache: Bei den Impfungen handelt es sich um eine präventive Maßnahme. Impfstoffe retten nachweislich Leben, senken die Morbidität und sind die kostengünstigsten Maßnahmen in der Medizin.

Leider gibt es Impfbarrieren in der Bevölkerung, weil Impfungen nicht als Prophylaxe für zentrale Risikofaktoren des Lebens gesehen werden und angenommen wird, dass der Organismus durch infektiöse Kinderkrankheiten nicht geschädigt wird. Ausserdem ist die Motivation der Eltern, ihre Kinder zu impfen, nicht so hoch, weil sie selber die Kinder- und Infektionskrankheiten gut überstanden haben. Oft möchten die Eltern ihren Kindern aber auch die physischen und psychischen Belastungssituationen der Impfung ersparen und haben besonders vor dem Schreien der Kinder Angst.

Es gibt Impfgegner, die den Wert einer Schutzimpfung grundsätzlich in Frage stellen und solche, die nur einzelne Schutzimpfungen (z.B. MMR) ablehnen. Um die Bedeutung von Impfungen für die Gesundheit eines Kindes ermessen zu können, muss man sich die Impferfolge der Vergangenheit vor Augen halten. Schwerwiegende Infektionskrankheiten, wie Diphtherie, Tetanus oder Poliomyelitis liessen sich durch Schutzimpfungen soweit vermindern, dass die Bevölkerung das klinische Bild dieser Erkrankungen heute kaum noch kennt. Ein anderes Beispiel für einen sehr guten Impferfolg ist die Immunisierung gegen Haemophilus influenzae Typ B: Durch diese vor 10 Jahren eingeführte Schutzimpfung konnte man die Erkrankungsrate an bakterieller Meningitis und Epiglottitis bereits um den Faktor 10 vermindern.
Foto: Impfung
Impfkalender
. 3. Monat Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Polio (IPV)-Haemophilus influenzae-Typ B, Hepatitis B .
4. Monat Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Polio (IPV)
. 5. Monat Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Polio (IPV)-Haemophilus influenzae-Typ B, Hepatitis B .
15. Monat Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Polio (IPV)-Haemophilus influenzae-Typ B, Hepatitis B-Auffrischung Masern-Mumps-Röteln
. ab 6. Jahr Diphtherie-Tetanus (Td) -Auffrischung Masern-Mumps-Röteln-Auffrischung .
11. - 18. Jahr Polio (IPV) zur Auffrischung, Diphtherie-Tetanus (Td), Röteln bzw. Masern-Mumps-Röteln für Mädchen, wenn keine Auffrischung mit 6 Jahren erfolgte, Hepatitis B für ungeimpfte Jugendliche, Pertussis-Nachholimpfung für Ungeimpfte
danach Folgeimpfungen im Erwachsenenalter: Diphtherie-Tetanus (Td), Polio alle 10 Jahre
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Weitere Impfempfehlungen
. FSME Frühsommermeningoencephalitis. Durch Zecken übertragene hochfieberhafte Virus-Erkrankung, die zu einem schweren Krankheitsbild mit Hirnhautentzündung führen kann. .
. Indikation Aufenthalt in Gebieten mit Krankheitsvorkommen, z.B. Bayerischer Wald, Auen der Donau-Seitentäler, südlicher Schwarzwald, in Baden-Württemberg zusätzlich die Waldgebiete entlang des Rheins und Neckars bis Heidelberg, die Umgebung von Stuttgart, der Odenwald. Nicht in allen Regionen Deutschlands übertragen Zecken dieses Virus. Auch im Ausland, z.B. Österreich, Polen, Schweiz, Südschweden etc., tritt die Erkrankung auf. .
. Immunisierung ab 7. Lebensmonat 2 Injektionen im Abstand von 1-3 Monaten, die 3. Injektion erfolgt 9-12 Monate später, Auffrischung nach 3-5 Jahren .
. Influenza Von Mensch zu Mensch übertragene Viruserkrankung, weltweit auftretend, meist von Typ Influenza A, seltener Influenza B. Die typische Erkrankung verursacht hohes Fieber, Muskelschmerzen, einen trockenen Husten und möglicherweise eine Lungenentzündung (Pneumonie). .
. Immunisierung Säuglinge ab dem 6. Lebensmonat nur bei einer vorliegenden chronischen Grunderkrankung und einem erhöhten Komplikationsrisiko bei Erkrankung. Erweiterte Impfindikation bei befürchteten weltweiten Epidemien.
Unbedingt geimpft werden sollten alle Personen ab 60 Jahren. Ebenso sollten sich medizinisches und Pflegepersonal mit direktem Kontakt zu Risikopatienten dieser Impfung unterziehen.
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Homöopathisch arbeitende Ärzte

sind sowohl was ihre Impfeinstellung als auch was die Durchführung der Impfungen anbelangt i.d.R. deutlich kritischer bzw. zurückhaltender. Ich halte aus meiner Sicht eine Impfung gegen Poliomyelitis, Diphtherie und Tetanus für dringend erforderlich. Der Nutzen und Schaden anderer Impfungen müssen mitunter individuell abgewogen werden. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, ob es denn Gründe gibt, die gegen eine Impfung Ihres Kindes sprechen.

Bezüglich der Hepatitis-B-Impfung möchte ich festhalten: Die Hepatitis B ist in westlichen Ländern in erster Linie eine Erkrankung von Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen. Am häufigsten erkranken die 15- bis 25-jährigen: Etwa ein Viertel aller 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr betrifft diese Altersgruppe. Vor allem erste und wechselnde sexuelle Kontakte, aber auch der Gebrauch intravenöser Drogen spielen als Übertragungsweg eine Rolle. Aus diesem Grunde sehe ich die Indikation bis auf wenige Ausnahmen (z.B.Neugeborene infektiöser Schwangerer) erst mit dem Eintritt in die Pubertätsphase berechtigt. Ich betone nochmals, die Indikation zur Impfung von Kindern sollte nicht pauschal gestellt werden, sondern sich meines Erachtens am individuellen Infektionsrisiko orientieren.

Wann ist bei einer Impfung Vorsicht geboten?

Vorsicht ist hinsichtlich einer Impfung insbesondere dann geboten, wenn Ihr Kind an einem Immundefekt leidet (Hypogammaglobulinämie, Agammaglobulinämie) oder Medikamente erhält, welche das Abwehrsystem beeinflussen (z.B. Cortison, Krebsmittel, Immunsuppressiva, Bestrahlungen). Ebenso, wenn Ihr Kind eine Hühnereiweißallergie hat oder an schweren neurologischen Störungen leidet (progressive Encephalopathie, schwer einstellbare Epilepsie oder Krämpfe im Kindesalter). Selbstverständlich ist auch dann Vorsicht geboten, wenn bei Ihrem Kind nach vorausgegangener Impfung schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind (Anaphylaxie, Schock, Kollaps, Krämpfe, etc.).

Wann soll eine Impfung verschoben werden?

Eine Impfung sollte verschoben werden, wenn Ihr Kind akut krank ist oder unter einer Allergie leidet, die gerade zu diesem Zeitpunkt besonders ausgeprägt ist, oder wenn in Kürze eine geplante Operation ansteht.

Allgemeine Maßnahmen bei Impfreaktionen

Nach den meisten Impfungen kann an der Impfstelle eine lokale Reaktion beobachtet werden: Rötung und Überwärmung, mehr oder minder starke Schwellung, Schmerzhaftigkeit bei Berührung oder auch spontan. Die Häufigkeit dieser Lokalreaktion ist unterschiedlich je nach Impfstoff bzw. Impfstoffkombination, aber auch eine falsche Injektionstechnik kann hierfür die Ursache sein.
Nach der Masern-Mumps-Rötelnimpfung treten gelegentlich flüchtige Exantheme auf, die rasch wieder verschwinden. Impf-Masern-Exantheme sind nicht ansteckend. Allergische Reaktionen der Haut sind meist durch Zusatzstoffe, Stabilisatoren sowie Konservierungsmittel bedingt. Die Intervalle bis zum Auftreten der verschiedenen Nebenreaktionen schwanken zwischen weniger als zehn Minuten bis zu mehreren Stunden. Am häufigsten treten sie innerhalb der ersten zwölf Stunden auf. Hyperpyrexie kann vor allem im späten Säuglings- und Kleinkindesalter auch Krämpfe auslösen. Zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung werden Antipyretika (z.B. Paracetamol-Supp) eingesetzt. Vermehrte Flüssigkeitszufuhr sollte empfohlen werden. Bei lokaler Schwellung und Schmerzhaftigkeit sind feuchte Umschläge mit essigsaurer Tonerde und evtl. Ruhigstellung durch entsprechende Lagerung der Stelle, an der die Impfung vorgenommen wurde. Bei einem Hämatom, das sehr selten ist, werden an der Injektionsstelle heparinhaltige Salben lokal aufgetragen.

Folgende Homöopathika können eingesetzt werden, um unerwünschte Wirkungen zu minimieren:
Bei allgemeiner und lokaler Impfunverträglichkeit: Thuja occidentalis D12.
Bei lokaler Impfreaktion mit Pustelbildung, allgemeiner Unverträglichkeit der Impfung, Ekzembildung nach Impfung: Silicea D12.
Bei Unruhezuständen nach Impfung: Zincum metallicum D12.
Bei anhaltenden Nebenwirkungen einer Impfung kann die entsprechende Nosode (z.B. Diphtherinum) als D30 (5 Globuli als Einmalgabe) in mehrwöchigen Abständen zusätzlich gegeben werden.